Heimweh

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Author

Alex

Published

January 22, 2026

Modified

January 22, 2026

Trotz der schönsten Reiseerlebnisse kann es vorkommen, dass man sich früher oder später nach Hause zurück wünscht. Gerade auf längeren Trips habe ich, wie viele andere auch, hin und wieder mit Heimweh zu kämpfen. Insbesondere wenn es mal anstrengend oder stressig ist, man seinen Bus verpasst, wegen schlechten Wetters seine Pläne ändern muss oder sonstige Schwierigkeiten sich auftun, sehnt man sich nach dem Vertrauten zurück. Auch wenn ich vermutlich vergleichsweise wenig von Heimweh geplagt werde, habe ich im Lauf der Zeit gelernt, damit umzugehen.

Ganz wichtig: Das hier ist keine psychologisch verifizierte Anleitung, die hundertprozentig funktionieren wird, sondern nur meine persönliche Erfahrung. Von daher muss und wird es nicht für jeden in jeder Situation perfekt wirken, aber vielleicht ist es eine Anregung, mit aufkommendem Heimweh umzugehen.

Erinnerungen & Vorfreude

Was ich als Allererstes und am Meisten gegen die Sehnsucht nach Zuhause tue, ist mir Situationen und Menschen in den Sinn zu rufen, auf die ich mich nach meiner Rückkehr freue. Vielleicht steht ja ein Familienfest an, oder man hat bereits Pläne, alte Freunde und Verwandte mal wieder zu besuchen. Oder man denkt ganz einfach nur an seinen Alltag zuhause, was einem gefällt und was vielleicht auch nicht. Dann hilft es mir, mich konkret in das Wiedersehen hinein zu versetzen, das mich erwartet. Wie wird es zum Beispiel an Weihnachten sein, wer wird da sein und wer nicht, was kommt vielleicht an Schwierigkeiten auf mich, zu, zum Beispiel bei der Anreise. Was im Alltag fehlt mir vielleicht wirklich, der Besuch im Fitnessstudio, der Spaziergang durch meine Nachbarschaft? Welche konkreten Erlebnisse gehen mir im Urlaub ab, und kann ich vielleicht sogar hier einen adäquaten Ersatz finden (statt der morgendlichen Joggingrunde durch meine Stadt vielleicht hier an meinem Urlaubsort)?

Wichtig ist dabei, sich die Situation ganz konkret vorzustellen, und zum Beispiel nicht nur an “Zuhause” zu denken. So neigt man viel weniger dazu, Dinge zu verklären und sich ein perfektes Wiedersehen zu fantasieren. Auch daheim ist Vieles nicht immer ideal, und nicht selten sucht man genau dazu ja erst den Ausgleich, wenn man auf Reisen geht. Zugleich kann es die Vorfreude auf die Rückkehr fördern, wenn man sich auf die lieben Menschen und sein Zuhause freut, die auf einen warten. Und das, auch ohne einen in seinem Reiseland unglücklich und einsam zurückzulassen. Es geht darum, die schönen und weniger schönen Seiten des Zuhauses und des Reisens mal bewusst zu machen und gegenüber zu stellen.

Unterstützend können dabei natürlich Fotos und andere Erinnerungsstücke wirken, die man während seines Trips dabei hat, und sei es nur auf dem Handy.

Kontakt nach Hause

Gerade in der heutigen Zeit sind Menschen, egal wie weit weg sie physisch auch sein mögen, oft nur einen WhatsApp-Anruf oder eine Kurznachricht auf dem Messenger deiner Wahl entfernt. Es kann sehr heilsam sein, sich mal proaktiv die Zeit zu nehmen und zu quatschen, von seinen Erlebnissen zu berichten und sich zu erkundigen, was Zuhause so passiert. Denn seien wir mal ehrlich: Natürlich geht das Leben auch daheim ganz normal weiter, wenn man mal unterwegs ist, und am Ende verpasst man oft nichts Großartiges. Diese “Fear of Missing Out” (FOMO) ist für mich ein ganz zentraler Bestandteil von Heimweh, und kann nach meiner Erfahrung durch den aktiven Kontakt nach Hause aktiv bekämpft werden.

Zudem ist es oft schon hilfreich, mit den geliebten Menschen einfach mal nur per Video ein bisschen zu plaudern, um sich eine Weile ganz wie daheim zu fühlen und sich Erinnerungen an Zuhause noch mal ganz lebendig in Erinnerung zu rufen (siehe den ersten Tipp). Dabei darf man auch ganz offen über sein Heimweh sprechen, fast jeder kann das gut nachvollziehen. Außerdem freuen sich auch die Daheimgebliebenen natürlich, mal etwas von dir zu hören.

Kontakt auf Reisen

Nicht nur Zuhause virtuell, auch an deinem Urlaubs- oder Reiseort warten oft viele liebe Menschen auf dich, mit denen du dich austauschen und gemeinsam Dinge erleben kannst. Isolation ist einer der Haupttreiber von Heimweh, weil er einem viel Gelegenheit gibt, zu grübeln, und ganz ehrlich: Egal wie sehr man Einzelgänger ist, irgendwann fühlt sich jeder mal einsam. Das beste Mittel dagegen ist meiner Meinung nach nicht, sich einzuigeln und abzuwarten, dass es besser wird, sondern im Gegenteil, mutig seine Komfortzone zu verlassen und mit Leuten zu connecten. Sei es in der Hostelküche, über Communities wie Meetup oder Couchsurfing, selten ist es so einfach wie beim Reisen, unkompliziert jemanden kennenzulernen, auch wenn man nicht mit überragenden Social Skills gesegnet ist.

Natürlich musst du, wenn du dich einsam fühlst, oft trotzdem den ersten Schritt machen und andere proaktiv kontaktieren. Die schöne Folge daraus ist nicht nur eine Bekämpfung des Heimwehs durch Ablenkung, sondern auch der offene Austausch gerade darüber (natürlich ohne gerade kennengelernte Leute vollzujammern) und ein offener Umgang damit. Und man wird feststellen, es ist dann erstaunlich leicht und wird immer leichter. Wie bei den anderen Punkten auch, ist das Ziel hier nicht unbedingt, das Heimweh zu unterdrücken oder aufzuschieben, sondern sich ihm aktiv zu stellen und es bewusst zu verringern, indem man sich nette Kontakte und positive Erlebnisse schafft.

Dankbarkeit

Auch wenn es hart klingen mag: Man muss sich schon immer wieder klar ins Gedächtnis rufen, dass Reisen, so nachhaltig und Low Budget es auch sein mag, immer noch ein krasses Privileg darstellt. Für eine kleine oder große Weile einen völlig neuen Ort kennenzulernen, von zu Hause auszubrechen und in eine neue Welt einzutauchen ist etwas, was wirklich nicht viele Leute machen können. Sei es aus finanziellen Gründen oder weil sie aus Gegenden kommen, in denen die Reisefreiheit nicht so uneingeschränkt ist wie mit einem europäischen oder gar deutschen Pass.

Insbesondere wenn man sich aktiv für eine Reise entschieden hat, ist es vielleicht nicht die sinnvollste Möglichkeit, seine vermutlich hart ersparte Zeit und das aufgewandte Geld auszugeben, um dann am Urlaubsort Trübsal zu blasen. Das ist jetzt bei konkretem Heimweh vermutlich kein besonders konstruktiver Tipp. Aber mir selbst hilft es schon, mir regelmäßig klar zu machen, wie besonders meine Situation hier ist, und dass ich doch etwas aus meiner Zeit machen sollte. Zuhause ist es auch schön, und ich freue mich gerade nach längeren Trips auch auf meine Heimkehr. Aber wie schon oben angesprochen, ist das kein Widerspruch dazu, seinen Trip zu genießen und im Hier und Jetzt zu leben. Beide Welten haben positive und weniger positive Aspekte, die man sich immer wieder bewusst machen sollte, um nichts zu verklären.

Fazit

Sollte man feststellen, dass man trotz Allem an immensem Heimweh leidet, und das mitunter auch zu gesundheitlichen Folgen wie Schlafstörungen oder Übelkeit führt, ist es sicher kein Sakrileg, auch über eine vorzeitige Rückkehr nachzudenken. Je nachdem wie unkompliziert das möglich ist und wie viel Zeit noch bis zum regulären Ende der Reise verbleibt, ist es nicht sinnvoll, sich zu quälen. Medikamente und sonstige homöopathischen Mittel, die im Internet gerne angepriesen werden, sind meiner Meinung nach höchstens zur Linderung konkreter Symptome geeignet, aber nicht zur Bekämpfung des eigentlichen Problems, das in diesem Fall ja ziemlich konkret benannt werden kann. Aber ich bin dafür sicherlich kein Experte, von daher muss das an dieser Stelle jeder selbst entscheiden.

Das Wichtigste hier ist insgesamt wohl, das Heimweh als Gefühl zu akzeptieren, sich davon aber nicht einnehmen zu lassen, und sich klar zu machen, dass man etwas dagegen tun kann. Die hier genannten Tipps sind dabei hoffentlich hilfreich.


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