Highway to Hallasan

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Author

Alex

Published

January 29, 2026

Modified

January 31, 2026

Kurzinfo:

Was und wo

Bei all den wunderbaren Dingen, die es in Südkorea zu sehen gibt, wird manchmal eine kleine Insel abseits des Hauptlandes übersehen. Auch ich hatte sie zugegebenermaßen nicht auf dem Schirm, als ich “Südkorea” als großen Stichpunkt in meine Liste für Ostasien aufnahm, und wusste nicht viel mehr, nur dass ich dort hin wollte. Als ich dann im Vorfeld mit Reisenden, die mir in Japan begegneten, sprach, fiel immer wieder der Name “Jeju”. Schnell war mir klar, dass ich diesen Ort mit in meinem Route aufnehmen wollte, da mich als Outdoor-Liebhaber vor allem die vielfältige Natur lockte. So gibt es in Jeju den höchsten Berg Südkoreas, den Hallasan - auch wenn er mit gut 1950 Metern kein besonderer Riese ist. Natürlich wollte ich ihn trotzdem bezwingen, und so reservierte ich mir einen Tag während meines Besuches für die Besteigung.

Vorbereitung

Anders als die meisten Berge in Deutschland kann man den Hallasan nicht einfach so besteigen. Die örtlichen Behörden sind sehr um das Wohlergehen der Wandernden besorgt und wollen die Massen einigermaßen in Zaum halten. Wie ich schon öfter in Asien erlebt habe, musste man sich hier deshalb vorab registrieren, und zwar bei einem extra eingerichteten Online-Portal. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl an zugelassenen Gipfelstürmern pro Tag und Route, und gerade am Wochenende oder zur Hochsaison sollte man lieber ein paar Tage vorher nachschauen und gegebenenfalls etwas flexibel sein. Es gibt zwei Haupt-Trails, den Gwaneumsa-Trail und den Seongpanak-Trail, die von Westen bzw. von Norden auf den Gipfel führen, ich wählte den Gwaneumsa. Man muss sich sowohl für den gewünschten Weg als auch einen Zeitslot entscheiden, zu dem man los möchte. Ist man zu spät dran, hat man womöglich Pech und bekommt gar nicht erst Zutritt zum Berg. Unterwegs muss man darauf achten, bestimmte Wegmarken bis zu einem vorgegebenen Zeitpunkt zu passieren, da man sonst nicht weitergelassen wird. Offenbar will man vermeiden, dass Wanderer sich überschätzen und am Ende vom Berg gerettet werden müssen. Das kann einem erst mal Angst machen. Ab ich habe genug Touristen vor allem in Asien erlebt, die, vermutlich geblendet von Social Media, Wanderungen in Sneaker und ohne ausreichend Wasser angehen wollen, und dann auch bei relativ leichten Routen Probleme bekommen. Daher sollte man sich von den hundert Warnungen eigentlich nicht abschrecken lassen, wenn man mit ein bisschen gesundem Menschenverstand gesegnet ist.

Anreise

Zum Trail zu kommen, ist eigentlich überhaupt kein Problem. Von meinem Hotel in der Hauptstadt Jejus, die passenderweise Jeju City heißt, nahm ich einen Bus zum Ausgangspunkt des Trails. Teilweise schon von der Stadt, und unterwegs von meinem Hartschalensitz aus konnte ich den Kegel des Hallasans hervorragend sehen, der gut erkennen lässt, dass es sich um einen erloschenen Vulkan handelt. Der Bus brauchte trotz einer Strecke von nur gut fünfzehn Kilometer über eine Stunde, da er gefühlt an jedem Briefkasten hielt. Aber ich hatte vorbildlich geplant und konnte pünktlich zu meinem gebuchten Slot um 9 Uhr starten, nachdem ich dem freundlichen Parkwächter meine Reservierung vorgezeigt hatte und so tat, als würde ich die kilometerlangen Hinweisschilder aufmerksam lesen.

Sicht auf den Hallasan von Jeju City aus

Sicht auf den Hallasan von Jeju City aus

Aufstieg

Zunächst verlief der Weg gemütlich und ohne großen Aufstieg durch einen in der Morgenluft märchenhaft wirkenden Wald. Jetzt im Oktober leuchtete wie an vielen Orten in Südkorea das Herbstlaub in kräftigen Farben. Die Sonne schien freundlich durch das Geäst und streute sich in faszinierenden Strahlen um die bunte Pflanzenwelt. Ein Wasserlauf bahnte sich seinen Weg leise murmelnd über vom Zahn der Zeit glatt geschliffene Steine, die von sattem Moos bewachsen waren. Niedrige knorrige Bäume in bizarren Formen säumten den mit Matten ausgelegten Wanderweg. Seitlich angelegte Führungsseile machten es quasi unmöglich, sich zu verlaufen. Durch das Brimborium mit der Registrierung hatte ich damit gerechnet, dass der Pfad überlaufen sein würde, jedoch war ich hier quasi alleine, erst nach einer Weile, als der Weg etwas steiler anzusteigen begann, überholte ich den ein oder anderen Wanderer. Auch eine Gruppe Soldaten war hier auf dem Weg nach oben, wohl weniger um die Aussicht zu genießen, sondern vermutlich eher im Rahmen eines Manövers oder so. Zumindest hier in dieser friedlichen Herbstwelt ein unerwarteter Anblick.

Bald erstieg ich die Baumgrenze, und hatte mit einem Mal die atemberaubende Sicht auf die herbstlichen Wälder der Umgebung im Blick. Wie eine rotbraune Steppdecke legten sich die Baumwipfel in einer gleichmäßigen Textur auf die flachen Hügel, hier und da durchbrochen von schroffen Felswänden, als hätte ein Tier seine spitzen Zähne durch diese Decke gegraben. Die Sonne schien von einem herbstlich strahlenden Himmel, nur am Horizont zog sich ein fluffiges Bändchen an Wolken hin wie eine wandernde Schafherde. Es war ein so friedlicher und besinnlicher Anblick, dass ich ihn eine ganze Weile genießen musste.

Doch bald musste ich mich losreißen und weiter, schließlich hatte ich noch ein paar Höhenmeter vor mir. Ich konnte den Anblick zum Glück eine ganze Weile während meines Aufstieges weiter bewundern, während ich Stufe um Stufe die hölzernen Bohlen zum Gipfel des Hallasan weiter erklomm. Die Felswände, an denen ich vorbeikam, wurden zahlreicher und steiler, und irgendwann meinte ich schon die Bergspitze zu erkennen. Die gab es jedoch nicht, wie mir klar wurden, als ich ein bisschen nachdachte, denn schließlich war das hier ja ein Vulkan, der einen Krater ganz oben hatte. Trotzdem erkannte ich diesen quasi erst, als ich unmittelbar davor stand, so gut verborgen war er hinter dem Gestein entlang des Weges.

Start zum Gwaneumsa Trail

Start zum Gwaneumsa Trail

Brücke auf dem Trail

Brücke auf dem Trail

Entlang der gut ausgebauten Wege präsentiert sich vielfältige Natur…

Entlang der gut ausgebauten Wege präsentiert sich vielfältige Natur…

… und ein spektakulärer Ausblick

… und ein spektakulärer Ausblick

Ankommen am Gipfel

Erst hier angekommen, verstand ich, weshalb die Reservierungen und Limitierungen wohl durchaus Sinn machen: Dicht an dich drängten sich Wanderer auf der großen hölzernen Plattform, die gleichzeitig das Ziel meiner Wanderung als auch die Aussichtsplattform in den Krater hinein bildete. Braun und schroff präsentierte er sich in der Herbstsonne, nur von ein bisschen vertrocknetem Gras bewachsen, aber wild und erhaben. Dafür, dass ich ihn erst zum Ende hin wirklich wahrgenommen habe, war er wirklich gigantisch, ein Fußballspiel in seinem Inneren samt Zuschauertribüne wäre überhaupt kein Problem gewesen.

Mehr als genug Anwesende, um ein Stadion zu füllen, gab es auch, wie mir ein Blick auf das Meer aus knallbunten Outdoorhüten offenbarte, das sich unter mir ergoss. Ein Foto mit dem Gipfelstein gab ich angesichts der nicht enden wollenden Schlange auf, und beschloss, meine Zeit hier oben lieber mit einer kleinen Brotzeit auf einem der großen Vulkansteine zu verbringen, und weiter den atemberaubenden Ausblick die vom Kegel abgewandte Seite hinab zu genießen. Auch hier erstreckte sich der Bergrücken von samtigem Gras bewachsen unter dem warmen Oktoberhimmel.

Der erloschene Krater des Hallasan

Der erloschene Krater des Hallasan

Einsamkeit am Gipfel leider Fehlanzeige

Einsamkeit am Gipfel leider Fehlanzeige

Rückweg

Ich beschloss kurzerhand, den Weg nach unten über den wohl deutlich beliebteren Seongpanak-Trail zu nehmen, den ich ja noch nicht kannte. Um den wohl noch aufkommenden Massen zuvorzukommen, brach ich bald auf, und mir kam gerade am Anfang ein nicht enden wollender Strom an Gipfelstürmern entgegen. Dieder Trail wird wohl von der deutlichen Mehrheit der Besucher gewählt. Stufe um Stufe ging ich den Holzsteg bergab, es war eigentlich ein sehr angenehmer Weg. Die wunderbare Aussicht begleitete mich den größten Teil des Abstieges, unter mir erstreckte sich die flache Landschaft, und über mir türmten sich die Schäfchenwolken.

Beim Abstieg hat man einen spektakulären Ausblick

Beim Abstieg hat man einen spektakulären Ausblick

Am Ziel - der Ausgangspunkt des Seongpanak Trails

Am Ziel - der Ausgangspunkt des Seongpanak Trails

Fazit

Die Besteigung des Hallasan darf wohl bei keinem Besuch in Jeju fehlen. Das Naturerlebnis hier sucht Seinesgleichen, und technisch anspruchsvoll oder besonders schwierig ist der Gipfel eigentlich auch nicht, da es wirklich sehr gut ausgestattete Wege gibt. Mit etwas Vorausplanung sollte es eigentlich auch zur Hauptsaison kein Problem sein, einen Slot zur Besteigung zu finden.


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