Was ist Couchsurfing

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Author

Alex

Published

December 11, 2025

Modified

December 11, 2025

Schon ein paar Mal habe ich hier in einem Text das Thema Couchsurfing angeschnitten. Für mich ist es eine der besten Erfindungen, die die Travel-Community je hervorgebracht hat. So viele wunderbrare Begegnungen und Erfahrungen habe ich dadurch erfahren dürfen, dass sie den Rahmen eines einzelnen Artikels locker sprengen würden. Deshalb folgt hier mal ein grundsätzlicher Abriss über Couchsurfing, und was es mir beim Reisen bringt.

Was ist Couchsurfing?

Couchsurfing ist eine Online-Community, ähnlich wie andere soziale Netzwerke auch. Menschen aus aller Welt können sich hier ein Profil anlegen, Fotos teilen, in Gruppen organisieren und Vieles mehr. Im Unterschied zu Facebook, Instagram und anderen geht es hier jedoch auch darum, sich entweder als Host oder als Couchsurfer (oder beides) an der Community aktiv (das heißt auch außerhalb der virtuellen Welt) zu beteiligen. Was heißt das?

Hosten

Als Host biete ich mein Zuhause (meine sprichwörtliche Couch) anderen “Couchsurfern” an, die meinen Heimatort bereisen. Unentgeltlich (das ist ganz, ganz wichtig) dürfen sie bei mir übernachten, und grundsätzliche Bedürfnisse wie Waschen, Toilette und Ähnliches erledigen. Dazu stelle ich meinen Schlafplatz, am besten mit Fotos, in meinem Profil vor. Ich sage, wen, z.B. wie viele Gäste, ich beherbergen kann, und ob ich Vorlieben zum Beispiel hinsichtlich des Geschlechts habe (so fühlen sich z.B. viele weibliche Hosts mit weiblichen Surfern deutlich wohler).

Dann können mich Reisende auf der Plattform kontaktieren, indem sie mir einen Couchsurfing-Request schreiben. Das ist einfach eine elektronische Nachricht auf der Plattform, in der sie mir kurz sagen, wer sie sind, was sie in meinem Heimatort vorhaben und wie lange sie bleiben möchten. Wer seine Chancen auf eine Herberge erhöhen möchte, kann auch gerne noch herausarbeiten, warum man ausgerechnet bei dieser Person unterkommen möchte (zum Beispiel gemeinsame Interessen) und was man seinem potentiellen Gastgeber bieten kann. So koche ich etwa hin und wieder für meine Hosts. Ein gewisses Grundinteresse daran, gemeinsam Zeit zu verbringen, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Einen kostenlosen Schlafplatz ohne jegliche Interaktion kann man grundsätzlich anbieten, das sollte vorher aber klar abgestimmt werden.

Wenn mir ein Couchsurfing-Request zusagt, dann kann ich ihn annehmen und mich auf meinen Besuch freuen, falls nicht, dann sage ich ihn einfach ab. Requests ohne Rückmeldung einfach in der Schwebe zu halten, finde ich persönlich ganz schön unhöflich, kommt aber bei besonders gefragten Hosts sicher mal vor.

Außerdem kann ich auch proaktiv Reisende anschreiben, die in meine Gegend kommen, da es einem die Plattform ermöglicht, offene Reisepläne zu teilen, also einfach zu sagen, wann man in welcher Gegend ist. So kann man einfach jemanden heraussuchen, der sympathisch wirkt, und ihm eine Unterkunft anbieten.

Mein Couchsurfing-Profil

Mein Couchsurfing-Profil

Surfing

Das namensgebende Couchsurfing, also das Übernachten auf einer fremden Couch, ist das Gegenstück zum Hosting. Verreise ich an einen neuen Ort, und möchte dort bei einem Host unterkommen, richte ich mir ein Profil auf der Plattform ein und fülle es möglichst vollständig aus. Dann suche ich nach den Hosts in der Gegend, die ich besuchen möchte, und wähle jemand Geeignetes aus, der in meinem gewählten Zeitraum verfügbar ist. Anschließend schicke ich ihm einen optimalerweise persönlichen Request und hoffe, ihn von mir zu überzeugen.

Auch hier sollte es eigentlich klar sein, dass ich ein gewisses Interesse an meinem Gegenüber mitbringe und nicht nur auf eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit aus bin. Die sogenannten “Freeloader”, also salopp Schmarotzer, gibt es auf Couchsurfing leider durchaus, und sie sind in der Community nicht gerne gesehen. Schließlich bin ich als Gast bei jemandem, und da gehört ein Mindestmaß an Freundlichkeit und Einbringung einfach dazu. Kleine Gastgeschenke oder eine nette Einladung auf ein gemeinsames Bier kommen natürlich immer gut an.

Falls ich noch nicht genau weiß, wonach ich suche, oder vielleicht einfach nur Leute treffen möchte, ohne direkt bei ihnen zu übernachten, kann ich, wie oben erwähnt, auch einfach Reisepläne teilen, und hoffen, dass sich jemand meldet. Ich habe so schon durchaus erfolgreich einen Host gefunden.

Auf ein Bier mit meinem Host Mike in Yokohama

Auf ein Bier mit meinem Host Mike in Yokohama

Communities

Neben dem Hosten und Surfen haben sich in den letzten Jahren auch lebendige lokale Communities etabliert, vor allem in größeren touristischen Städten. Hier schließen sich Locals und Reisende zusammen, es gibt Gruppen und Foren auf der Plattform (und oft größere WhatsApp-Chats), in denen man sich zu regelmäßigen Aktivitäten verabredet. Das sind oft wöchentliche Stammtische, aber auch gemeinsame Ausflüge, Parties und alles andere Mögliche. Ich selbst habe schon ein Couchsurfing-Kochevent bei mir gehostet, war schon mit Leuten aus München wandern und Vieles mehr. Auf jeden Fall ist es eine super Möglichkeit, auch außerhalb des Reisens mit (meist sehr internationalen) Leuten in Kontakt zu treten.

Aktuelle Events in München: In größeren Orten gibt es fast immer eine lebendige Community

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Couchsurfing-Event in Bali, um gemeinsam den Sonnenuntergang zu genießen

Couchsurfing-Event in Bali, um gemeinsam den Sonnenuntergang zu genießen

Hangouts

Eine noch unverbindlichere Form, Leute über Couchsurfing kennenzulernen, sind die relativ neu eingeführten Hangouts. Das ist ein Feature, das ich nur in der Mobile App nutzen kann: Und zwar schalte ich meinen Standort ein, aktiviere meine Verfügbarkeit für Hangouts und bekomme andere Leute in meiner Umgebung angezeigt, die ebenfalls zur Verfügung stehen. Diese kann ich dann direkt anschreiben und mich auf einen Kaffee oder sonstigen Aktivitäten verabreden. Das ist super, wenn ich mal ganz spontan Lust auf Gesellschaft habe, oder einfach kein Typ bin, der gerne sich lang im Voraus verabredet. Jedoch ist meiner Erfahrung nach hier die Antwortrate je nachdem sehr unterschiedlich, es kann schon mal vorkommen dass man geghostet wird. Cool ist, dass man auch zu schon vorhandenen Hangouts dazu stoßen und sich auch in der Gruppe verabreden kann. Bei mehreren Leuten ist die Wahrscheinlichkeit, dass wenigstens einer antwortet, schon mal deutlich höher.

Was kostet mich das?

Grundsätzlich ist das Surfen bei Leuten kostenlos, und falls jemand für seinen Schlafplatz Geld verlangen sollte, ist das ein Verstoß gegen die Richtlinien der Plattform. Wie schon oben gesagt: Kleine Aufmerksamkeiten sind gerne gesehen, sollten aber keine Bedingung sein, eine Unterkunft zu erhalten.

Was jedoch sehr wohl Geld kostet, ist, sich das Profil auf der Community einzurichten. Im Zuge der Corona-Pandemie wurde in einigen Ländern, vor allem in reichen, westlichen, eine Nutzungsgebühr eingeführt. In Deutschland sind das heute (Stand Dezember 2025) 14,29€, in anderen Ländern je nach Kaufkraft mehr oder weniger, meistens weniger. Die Art und Weise, wie das passiert ist, nämlich über Nacht und unter Zwang (ich konnte mich ohne Kauf eines Abonnements eines Tages nicht mehr einloggen) hat einige Kritik hervorgerufen, und viele Nutzer von der Plattform vertrieben.

Schon länger hatte Couchsurfing sich von einem Non-Profit Projekt zu einem gewinnorientierten Geschäftsmodell gewandelt, mit bezahlter Werbung. Schon das war vielen sauer aufgestoßen. Ich persönlich muss jedoch sagen, auch wenn mich das “Wie” ein bisschen stört, kann ich das “Was” schon einigermaßen verstehen, schließlich ist die Community wirklich cool und die Webseite weitestgehend zuverlässig und umfangreich. Von daher investiere ich den einen Euro und ein Bisschen im Monat gerne. Solange die Community mit gut vierzehn Millionen Nutzern weltweit noch ziemlich groß ist, und man eigentlich überall jemanden finden kann, ist für mich hier ein klarer Mehrwert vorhanden.

Wie kann man an Couchsurfing teilnehmen?

Ganz einfach: Indem ich mir wie oben beschrieben ein Profil mache und einfach loslege! Dazu brauche ich, wie schon gesagt, nicht einmal unbedingt auf große Weltreise zu gehen, sondern kann schon in meiner eigenen Stadt aktiv werden. Ich persönlich empfehle immer denjenigen, die am Anfang ein wenig Scheu haben, direkt Leute anzuschreiben, oder den Gedanken, bei Wildfremden zu übernachten, etwas unheimlich finden: Lernt erst mal unverbindlich Leute bei Stammtischen oder in Hangouts kennen, und schließt erste Kontakte. Wenn ihr euch dabei wohl fühlt, könnt ihr auch das Surfing oder Hosting mal ausprobieren.


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