Kurzinfo
- Zeit: November 2011 - Juli 2012
- Orte Australien, Neuseeland, Malaysia, Singapur
Schuften im Staub
Mit einem hellen “Klack” fährt der Hammer immer wieder auf das abstehende Stück Mörtel ein. Hart genug, um immer wieder einige Brocken abzuschlagen, aber doch vorsichtig, um den Ziegel nicht zu beschädigen. Kleine Staubwolken fahren bei jedem Schlag in die Luft und legen sich auf meine Hände, mein Gesicht und alles andere in ihrer Umgebung. Ich wische mir den Schweiß von der Stirn, und frage mich hustend, was ich hier eigentlich mache…
Es steckt bereits im Namen: Dieses Mal soll es um den Work-Teil meines Work and Travel Aufenthaltes in Australien gehen. Natürlich ist mir klar, dass mein Besuch Down Under schon eine Weile her ist, und berichte hier nur von meiner eigenen Erfahrung.
Wie ich Arbeit gefunden habe
Gumtree
Auf dieser Online-Plattform kann man wirklich alles suchen und finden: Ich kenne Leute, die darüber ihren fahrbaren Untersatz für den Roadtrip durch Down Under gefunden haben. Und auch für mich war Vieles dabei. meine Reisepartner für Neuseeland und meinen Job als Tellerwäscher im Bistro - Gumtree war eine super Anlaufstelle. Ob die Plattform heute noch die Bedeutung hat, vermag ich nicht zu sagen, bestimmt gibt es mittlerweile auch andere Portale.
WWOOFing
Worldwide Opportunities on Organic Farms - Bereitwillige Helfer auf Bio-Bauernhöfen, vorher auch Willing Workers oder Working Weekends , eine eindeutige Abkürzung ist es nicht, jedoch ist das Konzept dahinter ganz klar: Man arbeitet für einige Stunden am Tag auf einer Farm, und erhält dafür kostenlos Kost und Logis. Ich habe das zwei mal in Australien ausprobiert, und muss sagen, dass mir das Konzept schon ziemlich gefallen hat. Ich hatte ein paar ganz tolle Begegnungen, habe auf einem großen Grundstück mit riesigem Garten ausgeholfen und auf einer Plantage Kaffee gepflückt. Auch ohne Bezahlung zählen die Aufenthalte bei meinen tollen Hosts, mit denen ich während meiner jeweils gut zwei Wochen zusammen wohnte, zu meinen liebsten Erinnerungen an Work and Travel. Es waren nicht nur Arbeitgeber, wir teilten auch das Zuhause und ich nahm an ihrem Alltag teil, was zusammenschweißt. Meine Hosts in Clunes schmissen mir sogar eine tolle Abschiedsparty.
Freunde und Bekannte
Begegnungen sind natürlich fast immer das Schönste am Reisen. Und hier auch überaus hilfreich: Beim Work & Travel hat man neben dem üblichen Smalltalk fast immer ein Gesprächsthema, das einen verbindet: Und zwar interessante und lukrative Arbeitsmöglichkeiten an seinem Reiseort, und alle Tipps rund um Bewerbungen. Einen großen Teil meiner Jobs bekam ich über Leute, die ich unterwegs kennenlernte, und die Nachfolger oder Unterstützung für ihre eigenen Tätigkeiten suchten, oder über Couchsurfing-Hosts, die in ihrem Bekanntenkreis jemanden hatten, den man fragen konnte. Hier immer neugierig und offen zu sein, war eine meiner wichtigsten Lektionen. Das Positive, das ich daraus ziehen kann, war der Zusammenhalt, den ich in dieser Zeit mit den anderen Betroffenen erfahren habe. ## Meine Jobs
Wo habe ich nun so gearbeitet? Die meisten meiner Jobs hatten im weitesten Sinne etwas mit Gartenarbeit zu tun: So war ich in Perth in Western Australia damit beschäftigt, Pflanzen in einer Gärtnerei für den Verkauf einzutopfen, und habe in Darwin im Northern Territory Ameisennester aus Bäumen entfernt. Als Tellerwäscher spülte ich in einem Bistro, ebenfalls in Perth, im Akkord Geschirr und Töpfe, was eigentlich, dank meistens gut gelaunter Kollegen, ganz lustig war. Meinen schlimmsten Job habe ich eingangs bereits beschrieben: Bei einem Bauunternehmer befreite ich gebrauchte Ziegel von Mörtel, um sie für den Wiedereinsatz herzurichten.
[Besonders geschickt angestellt habe ich mich dabei nicht immer: In Darwin verriegelte ich die Klapptür unseres Geräte-Anhängers vor der Abfahrt einmal nicht richtig, und in einer Kurve fiel sie mitten während der Fahrt mit einem lauten Knall erst auf und dann ab. Das hat mir einen ordentlichen Anschiss beschert, und wir mussten sie nach Feierabend reparieren, was mir nicht viele Sympathiepunkte bei meinen Kollegen einbrachte.]
Angenehmer waren da schon meine oben angesprochenen WWOOFing-Erfahrungen: Dadurch, dass man an sich ja kein Geld für seine Arbeit bekam, waren die Arbeitstage kürzer und man konnte es generell entspannter angehen lassen. Die Kaffeeernte mit einer guten Playlist auf dem Ohr und einem angenehmen Tagesziel war eigentlich ganz cool. ## Meine Erfahrungen
Bezahlung
Was die meisten dieser Tätigkeiten gemeinsam hatten, war, dass man bar auf die Hand bezahlt wurde, was - ehrlich gesagt - nach meiner Erfahrung eher der Normalfall ist. Oft wurde ich dadurch auch unter dem gesetzlichen Mindestlohn bezahlt. Bei dem oben angesprochenen Steineklopf-Job wurde ich am Ende nicht nach Stunden, sondern nach gereinigten Steinen bezahlt, was natürlich ein schlechterer Deal war als zuvor, ohne dass meine Kollegen und ich getrödelt hätten.
Mein einziger Job mit tatsächlichem Arbeitsvertrag und Lohnschecks war der im Restaurant. Doch gerade hier machte ich eine besonders unschöne Erfahrung: Über einen Monat und vier wöchentlich ausstehende Lohnschecks hinweg wurde ich hingehalten und bekam keinen Lohn ausbezahlt. Eines Abends eröffnete mir der Küchenchef (der selbst nur Angestellter war), dass das Lokal insolvent sei und kommende Woche schließen würde. In meiner dummen Naivität kam ich selbst danach noch ein paar mal zur Arbeit, in der Hoffnung, noch etwas Kohle zu kriegen. Es wurde auch ein Insolvenzverfahren eröffnet, bei dem ich als einer der Gläubiger auftrat. Aber am Ende gingen wir alle leer aus. Das war eine äußerst bittere Erfahrung für mich. Aber auch eine Lehre in Sachen Gutgläubigkeit, hatte ich mich doch so lange vertrösten lassen.
Arbeitsbedingungen
Ausbeuterischen Arbeitsbedingungen (was ich manchmal erst im Nachhinein realisierte) waren bei viele Jobs leider traurige Realität, und schwere körperliche Arbeit in der australischen Hitze ist keine Seltenheit. Man ist als Backpacker, gerade wenn man schwarz bezahlt wird, leider am kürzeren Hebel, und Arbeitgeber wissen, dass die Konkurrenz groß ist. Es herrschte bei vielen meiner Jobs ein reges Kommen und Gehen, Leute wurden eingestellt und nach ein paar Tagen wieder nach Hause geschickt, weil sie nicht schnell genug waren. Bei einem meiner Gärtnerei-Jobs in Perth waren nach einer Woche nur noch zwei von sieben Leuten übrig, und als nächster musste auch ich daran glauben.
Man konkurriert hier natürlich meistens nicht um die angenehmen, gut bezahlten Jobs im klimatisierten Büro. Solche sind nach meiner Erfahrung Glückssache. Aber wer viel sucht und sich bewirbt, der wird vielleicht fündig. Ich selbst war meistens mit weniger schon zufrieden, und vorrangig ging es mir um das Geld.
Fazit
Das Arbeitsleben beim Work and Travel ist wohl keines, das man sein Leben lang machen möchte. Aber für mich war es, frisch aus der Schule, ohne großen finanziellen Verpflichtungen außer meinen eigenen Reiseplänen, genau das Richtige. Währenddessen habe ich sicher oft geflucht, wenn ich früh raus musste oder mir der Schweiß über die staubige Stirn lief, aber mit dem nächsten Trip in Aussicht war es deutlich leichter, und am Ende ein tolles Gefühl, sich den Trip so Stück für Stück zu verdienen. Die vielen spannenden und lehrreichen Episoden, seien sie auch nicht immer positiv, sind genau das, was Reisen ausmacht.