Meine Erfahrungen mit Work and Travel - Teil 1: Die Vorbereitung

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Author

Alex

Published

May 7, 2026

Modified

May 7, 2026

Kurzinfo

  • Zeit: November 2011 - Juli 2012
  • Orte Australien, Neuseeland, Malaysia, Singapur

Meine ersten Schritte in der großen weiten Welt

Was ist Work and Travel?

In vielen Ländern gibt es die Möglichkeit, sich etwas Geld zu verdienen, während man reist. Durch ein spezielles Visum erhält man zusätzlich zur Einreise auch die Erlaubnis, in einem bestimmten Rahmen bezahlter Arbeit nachzugehen. Das ist für Traveler auf schmalem Budget natürlich sehr praktisch, um sich unterwegs ein wenig die Reisekasse aufzubessern, und Arbeitserfahrung in einem fremden Land zu sammeln.

An manchen Orten, wie Australien oder Kanada, ist Work and Travel gerade bei jungen Leuten überaus beliebt, die nach dem Schulabschluss erst mal etwas von der Welt sehen wollen, anstatt sich direkt in eine Ausbildung oder das Arbeitsleben zu stürzen.

Große Pläne

Meine erste große Tour, die ich alleine gewagt habe, führte mich nach meinem Abitur 2011 nach Australien, Neuseeland und Südostasien. Dort reiste ich gut neun Monate auf eigene Faust herum, machte kleine Nebenjobs. Ich habe das Traveln für mich entdeckt, und mich darin geradezu verliebt.

Ich möchte in diesem Artikel mal ein bisschen von meinen Erfahrungen berichten, im ersten Teil besonders zur Vorbereitung. Mir ist klar, dass einiges rund um Work and Travel heutzutage wohl anders läuft als vor 15 Jahren. Trotzdem sind viele meiner Erfahrungen wohl auch jetzt noch relevant, besonders wenn man zum ersten Mal solche eine lange Reise vorbereiten möchte.

Grün hinter den Ohren und Großes vor - Vorbereitung

Kein Plan

Wenn man das erste Mal ganz alleine irgendwo hin möchte, ist es vollkommen normal, so auch bei mir, sich tausend Gedanken um alles Mögliche zu machen, was schief gehen könnte, und sich bestmöglich vorbereiten zu wollen. Nicht ganz untypisch für einen deutschen Abiturienten, beschloss ich, meine neu gewonnene Freiheit nach der Schule für eine ausgedehnte Backpackingtour durch Down Under zu nutzen. Doch nachdem der große Beschluss gefasst war, stand ich erst mal relativ ahnungslos da. Noch nie hatte ich, abgesehen von kurzen Urlaubstrips mit Freunden, alleine eine Reise geplant, schon gar nicht über mehrere Monate in ein Land, von dem ich keine Ahnung hatte. Und das auch noch am sprichwörtlich anderen Ende der Welt.

Fahrt zum Uluru: Davon träumen viele, die nach Australien reisen

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Reisen über eine Organisation

So war es naheliegend, sich Hilfe von Leuten zu suchen, die sich auskannten. Ich besorgte mir ein Starterpaket von Travelworks, einer von einigen professionellen Reiseanbietern, die Leuten wie mir bei ihren Vorbereitungen helfen, beziehungsweise gegen ein Entgelt einen großen Teil davon abnehmen. So kümmerten sie sich um meinen Flug, unterstützten mich bei der Beantragung des Work & Travel - Visums für Down Under und überhäuften mich in den Monaten vor meinem Abflug mit Informationsmaterial.

Durch das ackerte ich mich fleißig, schrieb mir Ziele auf, die mich interessierten, und versuchte, mir einen so detaillierten Plan wie möglich zu machen. Vor Ort in meinem Ankunftsort Sydney gab es ein Hostelbett für die ersten Nächte und einige Einführungsseminare in ihren Büros, die sie in den größeren australischen Städten hatten. Alles über die Details meines Visums, wo man Jobs finden könnte und wie gewisse arbeitsrechtliche Dinge in Australien funktionierte, wurde man informiert. Die Büros konnte ich auch unterwegs immer wieder nutzen, um im Internet zu recherchieren, das Handy zu laden oder Gepäck unterzustellen, was durchaus oft praktisch war. Es gab zudem Angebote, wochenlange geführte Touren entlang der Ostküste und der Great Ocean Road zu machen, Transport, Ausflüge und Übernachtungen vorab organisiert, sowie Vorbereitungscamps für die Arbeit auf Farmen. Das waren natürlich nur optionale zusätzliche Angebote.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich dadurch mich (und mein heimisches Umfeld) mit diesen Services ein bisschen beruhigen konnte, und vielleicht die ein oder andere nützliche Information aufgeschnappt habe. Aber die meiste Dinge hätte ich wohl auch so ziemlich schnell herausgefunden. Flüge konnte man auch damals schon übers Internet buchen, und der Visumsprozess war letztlich auch nicht so kompliziert, dass es dafür professionelle Hilfe benötigt hätte. Und die dadurch entstandenen zusätzlichen Kosten wären wohl an anderer Stelle auch besser investiert gewesen. Ich hatte hier viele Monate Zeit, und damit mehr als genug, eigentlich so gut wie alles vor Ort herauszufinden.

Zudem hat mir die Organisation in einer Situation, wo ich mir etwas Hilfe erwartet hätte, nicht wirklich weitergeholfen: Als einer meiner Arbeitgeber, ein Restaurant in Perth, kurzfristig pleite ging, und ich bis dahin nicht einen Cent meines seit Wochen ausstehenden Lohnes bekommen hatte, fragte ich bei Travelworks nach Hilfe und geeigneten Anlaufstellen für solche Fälle. Leider wurde ich mehr oder weniger mit einem “Keine Ahnung” abgespeist, und viel Mühe, mich zu unterstützen, gab man sich nach meiner Einschätzung ebenfalls nicht.

Zwar war ich am Ende am Insolvenzverfahren als Gläubiger beteiligt, jedoch musste ich hier die organisatorischen Details größtenteils über meine einheimischen Kollegen und Freunde recherchieren. Bekommen habe ich am Ende leider nichts, außer einer Lektion in Sachen Naivität, weil ich mich wochenlang von meinen Chefs hatte vertrösten lassen. Und der Erkenntnis, dass man sich auf vermeintliche Unterstützung im Zweifel nicht zu sehr verlassen sollte.

Versicherungen, Impfungen und der Rest

Wie bei jeder längeren Reise muss man sich über ein paar grundlegende Dinge, wie Impfungen und eine Reiseversicherung, natürlich auch vor dem Work & Travel Gedanken machen. Als naiver Abiturient musste ich mich dazu erst mal grundsätzlich informieren, aber das gehört wohl einfach zur Vorbereitung dazu.

  • Einen kurzen Vergleich verschiedener Versicherungen findest du hier
  • die wichtigsten empfohlenen Impfungen gibt es auf der Seite des Auswärtigen Amtes
  • Außerdem wird man für die Zeit vor Ort ein australisches Konto benötigen, eine ausführliche Zusammenfassung der aktuellen Anbieter findet sich hier

Und das ist auch die perfekte Überleitung zu meinen nächsten Thema.

Geld

Kosten

Fast die wichtigste Frage bei jeder größeren Reise ist vermutlich die nach dem Budget. Natürlich steckt beim Work & Travel ein guter Teil dieser Antwort schon im Namen, aber auch, bevor ich meinen ersten australischen Gehaltsscheck in der Hand hielt, musste der Flug, Versicherung, ein Backpack und so weiter bezahlt werden, und ganz ohne grundsätzliches Startkapital wollte ich auch nicht nach Down Under aufbrechen. Hier mal eine Aufstellung der größten Posten (die Preise sind für heute gerechnet, und bei mir war z.B. im Paket der Flug mit dabei, weshalb es wesentlich teurer war):

  • Visum: 670 AUD, gut 400 EUR
  • Flug: 1000-2000 EUR
  • Gebühr Travelworks: 540 EUR für Start in Sydney, siehe hier
  • Versicherung: Für Langzeitreisen ab ca. ein Euro pro Reisetag, je nach Leistung
  • Backpack: 100-300 EUR
  • Impfungen: Aktuell gibt es keine Pflichtimpfungen, je nachdem was man trotzdem möchte > 100 EUR
  • Zudem muss man hohe finanzielle Rücklagen nachweisen können, um mit einem Work & Holiday-Visum einreisen zu dürfen, aktuell 5000 AUD (ca. 3000 EUR)
  • Und ganz viel Kleinkram drumherum, den ich hier vergessen habe…

Finanzierung

Gerade als frisch gebackener Abiturient besaß ich nun wirklich kein großes Vermögen. Meine Eltern übernahmen dankenswerterweise die Impfkosten und das Visum (damals circa 200 Euro), alles andere musste ich selbst finanzieren. Das fand ich auch gut so, denn schließlich war es ja meine Reise. So ackerte ich bereits direkt nach den Abiprüfungen in Deutschland ein paar Monate auf dem Bau, während meine Freunde am Baggersee ihre neu gewonnene Freiheit feierten. Aber so ist das nun mal, und einen nicht ganz kleinen Haufen Geld konnte ich mir so auch zur Seite legen.

Hat das gereicht?

Auch wenn ich das Gefühl habe, mehr angespart zu haben als viele andere, die ich unterwegs getroffen habe, war das beileibe nicht genug für den Trip.

Alles in allem hatte ich schon einige tausend Euro ausgegeben, bevor ich überhaupt auch nur einen Fuß auf australischen Boden gesetzt habe. Außerdem musste ich bald feststellen, dass Australien ein unglaublich teures Reiseland ist, insbesondere was Unterkunft und Transport angeht, aber auch jegliche Form der Freizeitaktivität. Schnell schmolz mein Erspartes dahin, und so war mir sehr schnell klar, dass ich auch mein Arbeitsvisum bald würde nutzen müssen…

Nervös am Flughafen: Vor meinem ersten großen Trip war ich gespannt und aufgeregt…

Nervös am Flughafen: Vor meinem ersten großen Trip war ich gespannt und aufgeregt…

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